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Vielen ist der Begriff «Open Source» («Quelloffenheit») vom Hörensagen sicher bekannt. Quelloffenheit meint, dass die Codegrundlagen eines Programms offen zugänglich, veränderbar, beliebig benutz- und erweiterbar sind sowie frei weitergegeben werden können. Quelloffene Programme haben die Entwicklung der IT in den letzten Jahren enorm beschleunigt. Das Internet ist Beispiel und Werkzeug quelloffener Programme zugleich: Einerseits beruht es auf quelloffener Software, die meisten Webserver werden zum Beispiel vom quelloffenen Programm «Apache» angetrieben. Andererseits hob die Entwicklung quelloffener Software mit der Funktionalität des Internets erst richtig ab, weil sich grosse Entwicklergruppen auf einfache Art organisieren können und weil die Verteilung der Software selber mit dem Internet stark vereinfacht wurde.2 Proprietäre Programme einer Herstellerfirma werden im Gegensatz dazu «Closed Source» genannt.
Was bedeutet «Closed Source»?
Closed Source ist das klassische Modell der Softwareherstellung, auch bei der Praxissoftware. Es bedeutet:
Programminterna sind grundsätzlich nur dem Hersteller bekannt. Es ist einem Dritten unmöglich, das Programm zu verändern oder Erweiterungen dazu zu schreiben.
Schnittstellen für Datenimport und -export sind nur dem Hersteller bekannt. Es ist in der Regel nichtoder nur mit Hilfe der Hersteller möglich, Daten zwischen verschiedenen Closed-Source-Programmen zu transportieren. Dies bedeutet für die Arztpraxis, dass beim Wechsel des Programms oder beim Zusammenlegen zweier Praxen bereits erfasste Daten nochmals manuell eingegeben werden müssen. Individuelle Bedürfnisse wie Anbindungen spezieller Geräte oder praxisspezifische Funktionen sind je nach Softwarearchitektur nur schwer möglich und in der Regel mit hohen Kosten verbunden.
Auch wenn ein Closed-Source-Programm modular ist, dann ist dies doch meist so zu verstehen: Der Rahmen und die Art der möglichen Module sind vom Hersteller fix vorgegeben; das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein der einzelnen Module ist eher wirtschaftlich als technisch begründet.
Was bedeutet «Open Source»?
«Open Source» ist ein Konzept der Softwareentwicklung, welches nicht mehr die Geheimhaltung der Programminterna, sondern vielmehr die Partizipation und eine möglichst grosse Entwicklergemeinde in den Vordergrund stellt. Der modulare Ansatz stellt die Anpassungsfähigkeit der Software ins Zentrum. Open Source heisst bei einer Praxissoftware:
Offenlegung der Quellcodes, aus denen das Programm besteht; Offenlegung sämtlicher Schnittstellen zum Datentransport;
Geräteschnittstellen, praxisspezifische Erweiterungen, Export und Import von Daten sind auch von Dritten programmierbar;
Installations- und Supportverträge sind von verschiedenen Anbietern möglich;
Investitionsschutz und Zukunftssicherheit durch Sicherstellung der Weiterverwendbarkeit aller einmal erfassten Daten.
Open Source stärkt die Anwenderseite, ermöglicht in der Regel eine flexiblere Softwareentwicklung, erlaubt eine einfachere plattformunabhängige Kommunikation und vermindert die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern.
Der Anwender kann sein System für seine Bedürfnisse entwerfen und installieren bzw. er beauftragt Firmen oder Personen seiner Wahl, das für ihn zu tun. Die Praxissoftware wandelt sich von der magischen «Black box» zu einem Arbeitswerkzeug: Anstelle des Einkaufs einer relativ strikten Softwarevorgabe werden stärker problemorientierte Lösungen möglich.
Schlussbemerkungen
Open Source bedeutet nicht «kostenlos» im professionellen Einsatz. Sie können die Software kostenlos herunterladen – das Kennenlernen des Programms und die Instruktionen für MPAs bedeutenjedoch, wie bei jeder komplexen Software, einen beträchtlichen Aufwand. Als IT-Anwender mit mittleren Kenntnissen können Sie diesen selber betreiben und Ihr System «von Grund auf» verstehen. Als unkundiger IT-Anwender haben sie ein modernes, gut erweiterbares und anpassungsfähiges Werkzeug als Grundlage für einen kostengünstigen Start in die elektronische Krankengeschichte.
Ein bedeutendes Hindernis: Der Betrieb elektronischer Krankengeschichten benötigt ein ganzes Set von Datenbanken (u. a. Spezialitätenliste und Analysenliste). Diese sind allerdings nicht in geeigneten Formaten oder nur als proprietäre lizenzpflichtige Produkte erhältlich. Aus unserer Sicht müssen, im Bereich des KVG, diese Daten zur Implementierung frei erhältlich sein. Das BAG muss sich der Grundlagen seiner Visionen prioritär annehmen!
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